Die vielzitierte zunehmende Digitalisierung aller Arbeitsbereiche, die von manchen befürchtet, von anderen idealisiert wird, gehört zu den Kerninhalten der Arbeit studierter Wirtschaftsinformatiker. Viele potentielle Arbeitsgebiete bieten fachliche Herausforderungen und zahlreiche Gestaltungsoptionen, aber auch eine überdurchschnittliche Bezahlung und gute Entwicklungschancen. Damit ist es nicht erstaunlich, dass beispielsweise im Wintersemester 2014/15 fast 9.500 Studienanfänger/-innen ein Studium der Wirtschaftsinformatik aufgenommen haben. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt mehr als 41.800 Studenten und etwa 10.500 Studentinnen aller Semester und Studienarten an deutschen Hochschulen für die interdisziplinäre Disziplin eingeschrieben. Dennoch gehört auch die Wirtschaftsinformatik zu denjenigen MINT-Fächern, in denen eine vergleichsweise hohe Studienabbruchquote zu verzeichnen ist. Wirtschaftsinformatiker, die sich erfolgreich durch das Studium im Bachelor- oder Masterbereich hindurchgearbeitet haben, stehen damit auf dem Arbeitsmarkt einer zwar – gemessen an den Studienanfängerzahlen – verkleinerten, aber immer noch nennenswerten Zahl an Mitkonkurrenten um begehrte Positionen gegenüber.

Studium für vielseitig Begabte

Die Wirtschaftsinformatik versteht sich zugleich als interdisziplinäres Fach, das Kompetenzen aus der Wirtschaftswissenschaft und der Informatik bündelt und das als Verbindung zwischen Organisationen beziehungsweise Personen und den hochentwickelten Informations- und Kommunikationstechnologien fungiert. Zur Erfüllung solcher Aufgaben benötigen Wirtschaftsinformatiker nicht nur das betriebswirtschaftliche und das informationstechnisches Wissen; darüber hinaus sind kommunikative Fähigkeiten, soziale Kompetenz, interkulturelle Kenntnisse und Präsentations-Know-how gefragte Qualifikationen, die zum Teil bereits vor dem Studienbeginn angelegt oder ausgeprägt sein sollten.

Mit zahlreichen Vertiefungen, die teilweise bereits im grundständigen Bereich wählbar sind, können angehende Wirtschaftsinformatiker im Studium erste Weichen für die künftige Spezialisierung legen. Nach ersten grundlegenden Themen aus der Betriebswirtschaftslehre (u.a. Betriebsorganisation, Marketing und Controlling) und aus der Informatik (u.a. Informationsmanagement, Systementwicklung und Programmierung) sind im Wahlpflichtbereich im letzten Studiendrittel thematische Fokussierungen auf bestimmte Tätigkeitsfelder oder Einsatzgebiete wie

  • Internetwirtschaft,
  • Medienwirtschaft,
  • Gesundheitswesen,
  • Produktion,
  • Software-Programmierung,
  • Informationsmanagement,
  • IT-Sicherheit sowie
  • Umweltwirtschaft u.a.

möglich. Diese Form der Spezialisierung erlaubt es Studierenden, die eigenen Wertvorstellungen und Interessen in eine professionelle Richtung einzubringen.

Zusatzqualifikationen können dem angehenden Wirtschaftsinformatiker helfen, einen reibungsfreien Übergang vom Studium in den Beruf zu gewährleisten. Ein zentrales Thema in diesem Zusammenhang ist die sprachliche Fertigkeit: Fremdsprachen und die Fähigkeit, Kommunikation zielgruppenbezogen einzusetzen, sind in der modernen, globalisierten Arbeitswelt eine Voraussetzung für die nachhaltige und internationale Karriere. Insbesondere die Tätigkeit im internationalen Umfeld (Anstellung beim Global Player oder Auslandstätigkeit) erfordert interkulturelle Kompetenz, die zum Beispiel in einem Auslandssemester während des Studiums oder mit einem Auslandspraktikum zur Überbrückung der Zeit zwischen dem Studium und der Arbeitsaufnahme verfeinert werden kann. Auch Praxiserfahrung, die während des Studiums erworben wird, zum Beispiel in einer Projektarbeit, beim Jobben, im Praktikum oder mit einer praxisbezogenen Abschlussarbeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass studierte Wirtschaftsinformatiker nach dem Studienabschluss gleich eine Wunschposition erreichen.

Tätigkeitsfelder mit einem Bachelor oder Master in Wirtschaftsinformatik

Die Möglichkeiten für Einsatzgebiete der Wirtschaftsinformatiker unterliegen nicht vielen Begrenzungen. Nicht zuletzt dank der gestiegenen und immer noch steigenden Digitalisierung vieler Arbeitsbereiche haben viele Branchen einen Bedarf an interdisziplinären Kompetenzen aus der BWL und der Informatik. Auch bei der Unternehmensgröße können Wirtschaftsinformatiker nach persönlichem Gusto entscheiden, denn sowohl kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) als auch Großkonzerne mit internationalen Niederlassungen haben Bedarf an dem Schnittstellenwissen studierter Wirtschaftsinformatiker. Neben Unternehmen im IT-Sektor, deren Kernportfolio bei Hardware- oder Software-Produkten liegt, bieten auch zahlreiche Wirtschaftszweige, der Dienstleistungssektor, öffentliche Verwaltungen und Nichtregierungsorganisationen (NRO) regelmäßig anspruchsvolle Positionen für Wirtschaftsinformatiker auf allen Karrierestufen. Dabei sind Akademiker/-innen mit einem Studium der Wirtschaftsinformatik prädestiniert, an den Schnittstellen zwischen den Menschen, der Informationstechnik und der jeweiligen Organisation zu agieren und die Interdependenzen und Kommunikationswege zu optimieren.

Zu den typischen Aufgaben für Wirtschaftsinformatiker in Unternehmen zählen betriebswirtschaftliche Bereiche wie

  • die Betriebsplanung,
  • die Organisationsentwicklung,
  • das Controlling,
  • die Business Analyse,
  • das Marketing,
  • die Unternehmenskommunikation (inklusive dem Social Media Management),
  • das Informationsmanagement,
  • der Vertrieb,
  • das Prozessmanagement,
  • die Portfolioanalyse und die Produktentwicklung oder
  • das Projektmanagement.

Darüber hinaus sind Wirtschaftsinformatiker in IT-Aufgabenbereichen, zum Beispiel

  • das EDV-Management,
  • die Anwenderberatung und -betreuung,
  • die Qualitätssicherung digitaler Services,
  • die Systemsicherheit,
  • die Konzeption neuer IT-Architekturen,
  • die Systementwicklung,
  • die Programmierung oder
  • das Datenmanagement (inklusive Datenerhebung und -Analyse) ebenfalls gefragt.

Kompetenzübergreifend sind vor allem Positionen in Unternehmensberatungen, die auf dem IT-Markt mit einem ausgeprägten betriebswirtschaftlichen Verständnis IT-Beratungen für Organisationen jeder Größe anbieten. Die zunehmende Digitalisierung vieler Arbeitsbereiche macht insbesondere diesen Teil des potentiellen Aufgabenspektrums für Wirtschaftsinformatiker zu einem zukunftsfähigen Arbeitsmarkt.

Weitere Perspektiven für Wirtschaftsinformatiker

Als Wirtschaftsinformatiker stehen Absolventinnen und Absolventen neben der Anstellung in Organisationen oder Wirtschaftsunternehmen weitere Perspektiven offen, die mit und teilweise sogar ohne längere Berufserfahrung realisiert werden können. Für diejenigen Wirtschaftsinformatiker, die selbständig und mit Eigenverantwortung ihre Laufbahn (mit-)gestalten wollen, sind die Gründung eines eigenen Unternehmens, die kontinuierliche Weiterbildung als Aufstiegsgrundlage sowie die Karriere in Forschung und Wissenschaft gute Alternativen zur weisungsgebundener Erfüllung von Routine-Aufgaben.

Die Existenzgründung mit einem eigenen Unternehmen im IT-Sektor ist für einige Akademiker/-innen eine gute Option, ihre Ideen, ihre Kreativität, ihre Erfahrungen und ihre Kompetenzen ohne die oft bremsenden Einflüsse betrieblicher Hierarchien produktiv zu nutzen.

Außerdem gibt die Realisierung eigener innovativer Geschäftsmodelle Gelegenheit, Teilbereiche der sozialen und ökonomischen Gegenwart und Zukunft aktiv zu gestalten. Gründungen aus dem Hochschulumfeld werden von vielen staatlichen und privaten Hochschulen in verschiedener Weise gefördert. Neben der Vermittlung von Gründerwissen für Wirtschaftsinformatiker und Vertreter/-innen anderer Fachbereiche in Fachveranstaltungen zum Entrepreneurship können Gründer/-innen in den meisten Fällen auf die Netzwerke der Hochschulen zurückgreifen, um Know-how oder Startfinanzierungen zu bekommen.

Eine kontinuierliche Weiterbildung zu Entwicklung im eigenen und in angrenzenden Fachbereichen ist auch für Wirtschaftsinformatiker eine angemessene Möglichkeit, mit einem aktuellen Wissensstand neue Aufgabengebiete zu suchen. Der Aufstieg im eigenen Unternehmen oder der Wechsel in eine neue Position wird mit dem Beleg zielgenauer Fortbildungen erleichtert. Auch für die Gründung eines Start-ups ist die Weiterbildung in komplementären Wissensgebieten eine gute Voraussetzung. Darüber hinaus kann die regelmäßige Lektüre der einschlägigen Fachzeitschriften oder der Kontakt zu Vertretern der Branchenverbände für Wirtschaftsinformatiker einen positiven Karriereverlauf auslösen. Die fortlaufende Analyse einschlägiger Stellenbörsen gibt Hinweise auf das potentiell aussichtsreichste Spezialisierungsfachgebiet innerhalb der Wirtschaftsinformatik.

Nach dem Masterstudium bedeutet die Promotion in aller Regel den Einstieg in wissenschaftliche Arbeitsbereiche. Auch die wissenschaftlichen Tätigkeitsfelder bieten für Wirtschaftsinformatiker interessante Schwerpunkte: an der Hochschule mit Forschung und Lehre, in Forschungsinstituten mit der Analyse und Entwicklung von Systemen und Anwendungen oder in Entwicklungsabteilungen von Unternehmen mit der Produkt- und Serviceentwicklung. Auch bei der Beratung von Organisationen und Verbänden kann ein wissenschaftlicher Hintergrund, den Wirtschaftsinformatiker mit dem Doktortitel belegen, von Vorteil sein.

Verdienstmöglichkeiten für Wirtschaftsinformatiker

Insgesamt gehören Wirtschaftsinformatiker zu den gut verdienenden Absolventinnen und Absolventen nach einem Bachelor- oder einem Master-Abschluss. Allerdings sind auch innerhalb der Fachdisziplin Unterschiede bei den Gehältern zu beobachten. Die Arbeitsmarktanalyse zeigt, das insbesondere in stark beratungsgeprägten und konzeptionellen Arbeitsfeldern wie dem IT-Consulting, der Daten- und Computersicherheit, der Forschung und Entwicklung sowie dem Projektmanagement im IT-Bereich besonders gute Gehälter zu erzielen sind.

In einem Teil der Aufgabenbereiche konkurrieren studierte Wirtschaftsinformatiker mit Quereinsteigern. Zwischen Akademikern und nicht-akademischen Berufstätigen sind in Bereichen wie Programmierung oder IT-Dienstleistungen kaum relevante (Einkommens-)Unterschiede zu verzeichnen. Die Nachfrage nach studierten Informatikern und Wirtschaftsinformatikern ist aber auch in diesen Arbeitsgebieten relativ hoch, so dass von einer zunehmenden Professionalisierung ausgegangen werden kann. Zugleich können sich die Gehälter positiv für Arbeitnehmer entwickeln, solange die Nachfrage nach Fachkräften höher bleibt als das Angebot qualifizierter Wirtschaftsinformatiker.

Die Verdienstmöglichkeiten der Wirtschaftsinformatiker reichen grob von rund 45.000 Euro bis etwa 53.000 Euro. Je nach

  • Unternehmen,
  • Aufgabenbeschreibung,
  • Berufserfahrung,
  • Geschlecht,
  • Region und
  • Managementstufe

sind sowohl nach unten als auch nach oben Ausnahmen von dieser Einkommensspanne möglich. Auch der große Bereich der selbständigen Unternehmer ist nicht einheitlich in eine Einkommensstufe einzuordnen.

Berufseinstieg als qualifizierter Wirtschaftsinformatiker

Klassische Bewerbungen treten bei der Personalakquisition auch für Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker immer häufiger in den Hintergrund. Dennoch kann es sich lohnen, Stellenausschreibungen für Traineeprogramme oder einen Direkteinstieg auf den Onlineseiten eines künftigen Arbeitgebers zu recherchieren. Der Weg über Karriereportale bietet die doppelte Chance, sich selbst eine passende Position zu suchen oder sich vom Arbeitgeber mittels eines aussagekräftigen Profils finden zu lassen. Der proaktive Weg über einen Headhunter ist vor allem für berufserfahrene Wirtschaftsinformatiker sinnvoll. Dagegen ist es für alle Bewerber/-innen aussichtsreich, auch in bestimmten Social Media-Plattformen Informationen über freie Stellen für Wirtschaftsinformatiker in Erfahrung zu bringen.

Kontakte in das gewünschte Arbeitsfeld lassen sich bereits während des Studiums knüpfen. In Pratika oder während obligatorischer Projektarbeiten können in Unternehmen oder bei Organisationen die Chancen für eine potentielle Einstellung nach dem Bachelor oder Master ausgelotet werden. Grundsätzlich ist die Planung eines Berufseinstiegs über persönliche Kontakte als aussichtsreiche Variante nicht zu unterschätzen: Mittlerweile sind einige Unternehmen dazu übergegangen, die Rekrutierung auf Basis der Mitarbeiterempfehlung zu intensivieren. Außer dem direkten Kontakt sind Netzwerke an der Hochschule in Form von offiziellen Partnerschaften zwischen Hochschule und Unternehmen oder als Alumni-Netzwerk sinnvolle Anknüpfungspunkte für ein effizientes Networking. Aus dieser Perspektive kann es für Wirtschaftsinformatiker ebenfalls lohnend sein, sich auf Informations- und Fortbildungsveranstaltungen der Fachverbände um Vernetzung mit gestandenen Praktikern zu bemühen.

Ein weiterer Weg zum Traumjob kann über Job

  • beziehungsweise Bewerbermessen führen. Außer von den Hochschulen werden solche Messen häufig von Interessenvertretungen der Wirtschaft oder von der öffentlichen Hand veranstaltet. Entsprechend kann im Einzelfall die Zielgruppe variieren, was es erlaubt, sich zielgenau die passenden Messen aus dem Terminkalender herauszusuchen. Zur guten Vorbereitung für den Besuch einer solchen Veranstaltung gehört neben einer Auflistung relevanter Aussteller und Ansprechpartner die Zusammenstellung aussagekräftiger Studien- und Erfolgsbelege sowie eine Darstellung des bisherigen Karriereverlaufs. Nicht selten ist für die Teilnahme an einer Jobmesse eine Bewerbung oder zumindest Registrierung beim jeweiligen Veranstalter erforderlich. Die Firmenkontaktmessen haben für beide Seiten viele Vorteile und können auch für Wirtschaftsinformatiker die Bewerbungsphase nach dem Studium verkürzen.

    Fazit & Zusammenfassung

    • Statistisch absolvieren bei einer insgesamt hohen Studienabbruchquote vorwiegend Männer das Studium zum Wirtschaftsinformatiker.
    • Für gegenwärtige und kommende Aufgaben der Digitalisierung vieler Lebens- und Arbeitsbereiche sind Sie als studierter Wirtschaftsinformatiker gut gerüstet.
    • Als Wirtschaftsinformatiker haben Sie vor und während des Studiums Nutzen aus einem breiten Spektrum an Interessen und Begabungen gezogen, die auch in der anstehenden Berufstätigkeit sinnvoll eingesetzt werden können.
    • Außer dem passend gewählten Studienschwerpunkt helfen Ihnen auch Zusatzqualifikationen bei dem Einstieg in den gewünschten Tätigkeitsbereich für Wirtschaftsinformatiker.
    • Die Auswahl an Aufgabenfeldern für Wirtschaftsinformatiker mit einem Bachelor oder Master ist so vielgestaltig, dass Sie Ihre Position nach persönlichen Bedürfnissen und Interessen aussuchen können.
    • Tätigkeiten an der Schnittstelle von Mensch und Technik werden von Unternehmen und Organisationen jeder Größenordnung angeboten.
    • Inhaltlich haben Sie als Wirtschaftsinformatiker die Wahl zwischen kaufmännischen, beratenden, technischen oder wissenschaftlichen Tätigkeitsschwerpunkten.
    • Wenn Sie mit einer Anstellung in einem Unternehmen beruflich nicht glücklich werden, können Sie die Gründung eines eigenen Unternehmens oder den Weg in die Wissenschaft als Alternativen überlegen.
    • Bereits in Positionen, die mit einem grundständigen Studium oder als Quereinsteiger zu erreichen sind, haben Sie als Wirtschaftsinformatiker gute Chancen, auf ein überdurchschnittliches Einkommen.
    • Der Weg in die Arbeitswelt gelingt Ihnen als studierter Wirtschaftsinformatiker auf verschiedenen Wegen: eine klassische Bewerbung, gute Kontakte innerhalb eines Unternehmens, Jobmessen und praktische Projekte gehören zu den wichtigsten Möglichkeiten.
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